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Alter und Krankheit


Alle wollen „das Beste“, aber alle verstehen etwas Anderes darunter.

 „Familie“ ist ein hoher Wert in fast allen Kulturen der Erde, so auch bei uns. 

Allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz ist für über 80 % der Deutschen die „Familie“ auf der Prioritätenliste ganz oben.

Kein Wunder, denn „Familie“ steht symbolisch für den Ort der Geborgenheit, Sicherheit, unbedingte Unterstützung, Emotionen, Vertrautheit und ein gelebtes gemeinsames Leben- unter dem Strich.

In der Realität und im Einzelfall ist Familie aber auch das Zusammenleben verschiedener Generationen mit sehr unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Welt, Einstellungen zum Leben und deshalb auch unterschiedlichen Lebenszielen und –entwürfen, Ausbildungsniveaus und unterschiedlichen Fähigkeiten, Probleme zu lösen. Nicht immer wäre man mit jedem aus der Familie freiwillig „befreundet“, wenn man nicht gerade „verwandt“ wäre.

Es gibt Familien, die eine Krise oder einen Konflikt als Chance betrachten, sich näher zu kommen und das über Jahre in „Auseinandersetzungen“ und Gesprächen miteinander geübt haben.

In anderen Familien sind bestimmte Themen, in denen Konfliktpotential stecken könnte, ein konsequentes Tabu.

All diese Unterschiede werden relevant, wenn ein Familienmitglied plötzlich gesundheitlichen Einschränkungen unterliegt, die auf das ganze Familien-System Auswirkungen haben.

Jeder hat aus der Ferne oder aus eigener Anschauung schon einmal erlebt, wie Familien „ins Schleudern“ geraten, wenn Eltern „alt“ und vielleicht „hinfällig“ werden, oder ansonsten eine schwere Krankheit ein Familienmitglied- und in Wahrheit- die ganze Familie als Schicksalschlag trifft.

Ein Sonderfall ist auch die „Demenz“, die Familien besonders schwer belastet. Wir alle nehmen in der Familie eine „Rolle“ ein, die im Zuge dieser Erkrankung das Gleichgewicht betrifft. Persönlichkeitsveränderungen und die oft fehlende Möglichkeit, den Betroffenen auch in Entscheidungen noch mit einzubeziehen, belasten die Angehörigen beträchtlich.

Oft sind es dann vordergründig die organisatorischen oder finanziellen Fragen um das Krankheitsgeschehen herum, die alte verdrängte Konflikte sichtbar machen, oder es verunsichert das ganze Gefüge, wenn jemand aus seiner bekannten „Rolle“ fällt und Problemlösungen, die früher so wirksam waren, für die neue Lage einfach nicht passen wollen.

Dann ist die Familie als System aus ihrem „Gleichgewicht“ geraten.


Ein gutes Klima in der Familie, eine entspannte Atmosphäre sind der wichtigste Baustein, um für den Erkrankten „das Beste aus seiner Lage“ zu machen. Die Fürsorge soll sich aber dabei im günstigen Fall auf alle beziehen, auf den Erkrankten und auf das ganze System „Familie“. 


Das muss in der Familie doch wohl möglich sein..

Als „Familie“ sind wir darauf erzogen, unsere Besorgnisse und Schwierigkeiten nicht „nach außen“ dringen zu lassen. In unserer Familie gibt es keine Probleme! Und wenn, dann lösen wir sie selbst!

Wenn wir als Familie ideal wären, würde das bestimmt auch funktionieren. Leider ist der Mensch nur ein Mensch und eine „ideale“ Familie in Wirklichkeit eine Familie aus „Fleisch und Blut“, die nicht im Himmel, sondern auf der Erde zurecht kommen soll.

Werden die Eltern krank, sind wir alle( auch die Eltern) in vielfacher Hinsicht herausgefordert:


Wir müssen

·        vielleicht schmerzhaft akzeptieren, dass die „Rollen“ sich vertauschen

·        uns mit dem „Verlust“ auseinandersetzen

·        die eigene „Endlichkeit“ verdauen

·        Aufgaben übernehmen, die gerade nicht in den Lebensplan passen

·        Scham abarbeiten, wenn wir das nicht so einfach mit Hingabe tun können


Wir neigen dann dazu

·    alte unverarbeitete Konflikte hochzuholen, um unsere Position zu bestimmen

·        Schwester oder Bruder besonders in der Pflicht zu sehen, weil…

·        „gute Gründe“ zu finden, anstatt über unsere Bedürfnisse zu sprechen


Das Ergebnis ist

·        wir streiten um das Organisatorische und Finanzielles

·        „sticheln“ über „erlebte Ungerechtigkeiten“ aus der Vergangenheit

·     fragen uns, ob wir eigentlich „wirklich im selben Haushalt“ großgeworden sind

·        und müssen wegen jeder „Kleinigkeit“ eine Konferenz einberufen, 

      weil kaum etwas reibungslos und erkennbar von allen getragen wird.


Und vor allem: danach gibt es die Familie in ihrem Kernbestand nicht mehr. Einer, oder manchmal alle, sind der Meinung, nicht wahrgenommen worden zu sein, nicht genügend wertgeschätzt, „immer die/der Dumme“ zu sein und überhaupt mit der „Verwandtschaft“ nichts mehr zu tun haben zu wollen. Mutter oder Vater als Bindeglied sind dann „nicht mehr“ und man kann „endlich“ seiner Wege gehen.


Aus der Erfahrung wissen wir, dass uns solche Entscheidungen in vielen Fällen später einmal einholen, Verbände entzweien sich, Cousins und Cousinen stehen ohne Bezug neben einander und selbst, wenn man später korrigieren wollte, ist die Zeit nicht mehr zurückzuholen.

Das Verzeihen der späten Jahre macht die Zersplitterung in Folgegenerationen nicht rückgängig.

Eine Mediation kann nicht heilen, aber sie kann Anstöße geben, den Familienmitgliedern die Möglichkeit eröffnen, Perspektiven zu wechseln und ein Verständnis für den anderen zu entwickeln.


Der Mediator weiß: jeder Mensch folgt seiner inneren Logik, die sich speist aus seinen Erfahrungen, in denen Selbstbild und Weltbild, Kränkungen und Freude, Erfolg und Niederlage verankert sind.

Er wird als allparteilicher Begleiter darauf achten, dass gesagt wird, was zu sagen ist, gehört wird, was zu hören wäre und verstanden wird, was es zu verstehen gibt.

Er wird die Familie dabei begleiten vom Ausgangspunkt des Verstehens eine Lösung zu entwickeln.


Sollten Sie wirtschaftlich nicht in der Lage sein, die Kosten einer Mediation zu tragen, beraten wir Sie gern über die ehrenamtlichen Mediationsangebote des "Mediationszentrum Oldenburg e.V." , dessen Mitglied wir sind.